Home Office und Work-Life-Balance: Arbeit und Familie im gleichen Raum

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Tatsächlich bedeutet das kürzlich durch die Bundesregierung empfohlene Konzept des Home Office, welches momentan von vielen Menschen ausgeübt wird, um den Anforderungen des Kontaktverbots nachzukommen, für jeden etwas anderes. Wahrgenommen wird es von vielen Menschen ganz unterschiedlich.

Home Office: Eine Bereicherung, keine Herausforderung

Einige Menschen erleben es positiv und sagen, sie hätten durch diese neue Arbeitsweise und durch dieses scheinbar neue Arbeitsmodell keinerlei Herausforderung, die sie nicht schon kennen würden. Stattdessen würden sie nun den Weg zur Arbeit sparen, hätten weniger Stress dadurch, dass sie weder öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssten noch mit dem Auto im Stau stehen würden.

Home Office: Der tägliche Kampf mit der Technik

Bei vielen anderen jedoch hört man regelmäßig, dass es schwierig sei, die notwendigen Anforderungen zu erfüllen. Zum einen gibt es die Herausforderung, dass die ganze Familie im Home Office arbeitet und dann zum Beispiel das Netzwerk zusammenbricht. Auch die Tatsache, dass auf dem heimischen Rechner kein VPN-Client installiert sei, stellt einige Menschen vor eine Herausforderung, weil sie sich dann zum Beispiel nicht in das Netzwerk ihrer Firma einwählen könnten. Eine mögliche Lösung hierfür könnte der Browser Opera darstellen.

»Oft sind es Kleinigkeiten, wenn im Home Office die Technik streikt«,erklärt Birgit Schultz von Marketing-Zauber. Sie begleitet Solopreneurerinnen bei ihrem Online-Marketing und sorgt dafür, dass Social Media strategisch, mit Ziel und mit möglichst wenig Aufwand eingesetzt wird.

Sie rät: »Wenn Sie nicht ins Internet kommen, prüfen Sie, ob die WLAN-Verbindung steht oder das LAN-Kabel auch tatsächlich eingesteckt ist. Geht es dann immer noch nicht, schauen Sie, ob der Router aktiv ist oder ob die Lämpchen blinken. Oft hilft es, den Router für 30 Sekunden vom Stromnetz zu nehmen und dann neu starten zu lassen. Hilft das auch nicht, hilft ein Anruf beim Internet-Provider.«

Tatsächlich könnte es auch sein, dass das heimische Internetangebot schlicht und ergreifend für die aktuelle Situation nicht ausreichend ist. Wenn viele Menschen gleichzeitig im Internet sind, reduziert sich die Bandbreite mit der jeder Einzelne surfen kann immer weiter, je mehr Geräte über ein Netzwerk eingeloggt sind.

Doch tatsächlich gibt es nicht nur mit dem Internet manche Probleme, oftmals reagieren auch Computer und andere Geräte unter Dauerbelastung anders. Birgit Schulz rät in diesem Fall: »Auch wenn sich Ihr Rechner (egal ob Windows oder Mac) komisch verhält, sehr langsam ist oder auch mal ein Druckauftrag nicht starten will: Ein Neustart wirkt oft wahre Wunder, vor allem, wenn der Rechner über mehrere Tage durchgehend eingeschaltet war.«

Zwar mag es für manch einen etwas merkwürdig erscheinen, dass der heimische Rechner unter Dauerbetrieb steht. Doch wäre dieses aktuell auch nicht weiter verwunderlich. Denn wenn viele Menschen eines Haushalts in der aktuellen Situation im Home Office arbeiten, sollte man sich hinsichtlich seiner Tagesstruktur nicht nur eine To-Do-List machen. Stattdessen sollte es auch einen Plan geben, wann wer den heimischen Rechner benötigt und über welchen Zeitraum hinweg die Person das Gerät nutzt. So vermeidet man Konflikte, die zu weiterem Stress führen können.

Auch für die Social Media Netzwerke ist die aktuelle Situation eine Dauerbelastung. Viele ahnen nicht, zu welchen Verhaltensweisen der Systeme dieses führen kann. Wer jedoch selbst im Social-Media-Bereich tätig ist, der ahnt, dass auch das nicht immer ohne Probleme funktioniert.

So kann es sein, dass eine Facebook-Seite auf einmal nicht mehr lädt, ein YouTube-Kanal seine Videos nicht mehr hochlädt oder man sich einfach nicht mehr in das Online-Tool seiner Wahl einloggen kann.

Birgit Schultz rät in diesem Fall: »Können Sie sich bei einem Social Media Netzwerk wie Facebook oder einem Online-Tool wie Canva plötzlich nicht mehr einloggen, versuchen Sie zunächst einen anderen Browser. Grundsätzlich ist es besser, für solche Anwendungen den Chrome Browser zu verwenden. Microsoft Edge (früher: Explorer) und Apples Safari machen öfter mal Stress. Für Nutzer, die gerne Surfen oder auch direkt im Browser arbeiten, sind sie nicht gut geeignet.

Funktioniert das Login in einem anderen Browser und Sie arbeiten eigentlich schon mit Chrome, dann hilft bei technischen Problemen oft das Löschen der Cookies und des Cache (Zwischenspeicher).«
Der wichtigste Tipp überhaupt: Gerade auf Facebook gibt es viele, sehr hilfsbereite Gruppen, wenn Sie Probleme mit der Technik haben.

Für manch anderen klingen Herausforderungen dieser Art geradezu lächerlich, denn es gibt auch Menschen, die müssen Kinder und Arbeit unter einen Hut bringen und das aktuell auch noch im Home Office.

Home Office: Struktur hilft auch in der Krise

Jenen Eltern, die nun sowohl Home Office als auch Kinder unter einen Hut bringen müssen, hilft es vermutlich sehr, zu wissen, dass in dieser Zeit die gleichen Regeln gelten, wie auch sonst im Alltag. Allerdings hat der Coronavirus einige feste Strukturen aufgeweicht oder gar herausgelöst. Wer jetzt zuhause den stressigen Alltag gut bewältigen möchte, sollte gegebenenfalls darüber nachdenken, sich wiederum einige feste Strukturen zu schaffen.

»In meiner täglichen Arbeit als Tagesmutter ist eine Tagesstruktur mein wichtigstes pädagogisches Mittel. Sie sorgt für Sicherheit, Orientierung und Halt. Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist eine Tagesstruktur, denn sie sind in besonderem Maße auf Halt und Sicherheit angewiesen, aber letztlich hilft sie uns allen, besonders in schwierigen Zeiten.

Gerade jetzt brechen viele Tagesstrukturen weg. Arbeit findet gar nicht mehr oder zu Hause statt, Kinder sind jetzt den ganzen Tag zu Hause und selbst der Spielplatz ist tabu. Das Alltagsleben wird jetzt viel mehr als chaotisch empfunden.

Um wieder ein Stück Sicherheit und Orientierung zu schaffen und auch, um Home Office und Betreuung zu bewältigen, ist es jetzt sehr wichtig, eine neue Tagesstruktur zu schaffen«,weiß auch Claudia Engelberts. Sie ist Diplom-Pädagogin und REFA-Technikerin für Industrial Engineering, seit 2012 tätig als Tagespflegeperson in angemieteten Räumen in Dortmund, langjährige berufliche Erfahrung als Sozialarbeiterin, außerdem seit 2007 Inhaberin einer kleinen Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Existenzgründung.

Home Office in Krisenzeiten mit Kind und Kegel: Wie schafft man eine Tagesstruktur?

Bei den meisten Familien hat sich die Tagesstruktur über einen längeren Zeitraum etabliert, so fällt es nicht leicht, in der jetzigen Krisensituation mit den aktuellen Einschränkungen von jetzt auf gleich eine neue Tagesstruktur zu etablieren. Trotzdem ist dies der richtige Weg, denn mit einer festen Struktur stellt sich auch das Gefühl von Sicherheit wieder ein.

»Natürlich sind nicht alle Eltern gleich, und nicht alle Kinder. Der eine ist ein strukturierter Typ, der andere ist froh, wenn die Strukturen gesetzt werden. Das klappt jetzt natürlich nicht immer. Ich denke, der einfachste Weg ist, feste Zeiten für bestimmte Aktivitäten und Aktionen zu bestimmen. Meiner Erfahrung nach lernen euch kleinere Kinder schnell, wie der neue Alltag funktioniert, wenn man das auch konsequent umsetzt.

Ruhig einen Tagesplan aufstellen: So könnte das zum Beispiel aussehen: Frühstück um 8.00 Uhr, danach arbeitet Mama oder Papa drei Stunden, Mittagessen um 12.00 Uhr, danach vielleicht der Mittagsschlaf für die Kleinen, das schafft vielleicht noch Raum für etwas Home Office, anschließend Aktivitäten mit den Kindern, Abendessen um 18.00 Uhr, zu Bett gehen für die Kinder, eventuelll danach noch Home Office. Vielleicht kann der Rhythmus sogar angelehnt werden an die Tagesstruktur der Kita, was Essens- und Schlafenszeiten angeht.

Und es ist an den Erwachsenen, diese Struktur zu setzen und auch konsequent umzusetzen«, rät die langjährige Tagesmutter.

Die Empfehlung die Tagesstruktur beizubehalten, geben auch Experten. So rät Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Chemnitz und Leiter der Raucherambulanz Chemnitz sowie der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz: »Behalten Sie einen regelmäßigen Tagesrhythmus mit festen Aufsteh-, Arbeits- und Schlafenszeiten auch im Home-Office oder Homeschooling bei. Dies schafft eine regelmäßige Tagesstruktur und begünstigt die emotionale Stabilität.

Achten Sie darauf, dass auch die Kinder eine angemessene Tagesstruktur aufrechterhalten, auch wenn sie nicht zur gleichen Zeit geweckt werden müssen wie zur ersten Schulstunde. Schulkindern sollte dabei geholfen werden, die übermittelten Schulaufgaben zu strukturieren und in sinnvollen „Portionen“ zu bearbeiten. Andernfalls fühlen viele Kinder sich durch die ungewohnte Menge an Aufgaben, die von den Lehrern „geballt“ für eine Woche oder länger übermittelt werden, regelrecht „erschlagen“ und reagieren mit Verängstigung, Stress und Widerstand.

Gerade für berufstätige Alleinerziehende kommt es unter den gegebenen Bedingungen zu einer akuten Doppelbelastung zwischen Home-Office-Beanspruchung und gleichzeitiger Kinderbetreuung im eigenen Haushalt. Im Zweifelfall sollte die Fürsorge für kleine Kinder Vorrang haben vor den beruflichen Aufgaben.

Um eine angemessene Balance zu erzielen, sollten Home-Office-Aufgaben tageszeitlich so eingetaktet werden (zum Beispiel in die Abendstunden verlegt), dass sie sich mit der Kleinkinderbetreuung vereinbaren lassen. Arbeitgeber und Vorgesetzte sind gefordert, unter den Ausnahmebedingungen Verständnis zu zeigen und Zugeständnisse an die Arbeitsleistung der Mitarbeiter zu machen.«

Kinder erleben die Krise anders

Dass Kinder die Coronakrise und die damit verbundenen Einschränkungen anders erleben, ist sicherlich nicht weiter verwunderlich, aber auch eine Frage des Alters. Claudia Engelberts erklärt: »Je nach Alter der Kinder empfinden sie die aktuelle Situation sicher wie ein sehr langes Wochenende oder lange Ferien. Denn das sind ja die typischen Zeiten, in denen man nicht in die Betreuung gebracht wird und zu denen die Eltern den ganzen Tag zu Hause sind und nicht arbeiten müssen.

Älteren Kindern kann man sicher schon erklären, dass es sich nicht um Ferien handelt und warum jetzt trotzdem alle zu Hause bleiben und sogar dort arbeiten müssen.

Bei jüngeren Kindern wird es in besonderem Maße eine gute Tagesstruktur sein, die ihnen hilft, mit der veränderten Situation umzugehen und die neue Normalität zu akzeptieren. Sie ist auch in meiner Tagespflege das Mittel, um neuen Kindern die Gewöhnung an eine neue Situation zu erleichtern.«

Kinderbetreuung und Home Office in Zeiten von Corona

Tatsächlich erscheint es in der heutigen Zeit mit einigen Einschränkungen recht schwierig, die Kinderbetreuung und die Arbeit zu Hause unter einen Hut zu bringen. Insgesamt heißt es jetzt, kreative Lösungen zu suchen.

»Die Möglichkeiten sind natürlich zurzeit sehr begrenzt, Spielplätze sind gesperrt, mit Freunden treffen geht auch nicht.

Auch hier ist jetzt die Kreativität der Eltern gefordert. Als Familie darf man ja noch zusammen raus, zum Beispiel in den Wald. Dort können sich Kinder bewegen und die Natur entdecken.

Im Internet finden sich jetzt auch viele kreative Ideen anderer Eltern, zum Beispiel einen Parcours in Haus oder Garten zu bauen und Kindern damit die nötige Bewegung zu verschaffen.
Und große Kinder kann man ja vielleicht auch in spannende „Großprojekte“ in Keller, Haus und Garten einbeziehen«, empfiehlt Claudia Engelberts.

Zuhause leben und arbeiten: Ohne Regeln geht es nicht

»Manche kennen es aus WG-Zeiten: Zu gegenseitiger Rücksichtnahme gehört auch, eine gemeinsame Ordnung im Haushalt und Regeln des Zusammenlebens zu finden. Wenn alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen, gibt es weniger Anlass zum Streit.

Wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann, sollte man Konflikte vermeiden oder schnell regeln. Für ein angenehmes Zusammenleben ist es auch hilfreich, einige Aktivitäten mit allen Haushaltsmitgliedern regelmäßig gemeinsam zu machen, zum Beispiel das Ritual gemeinsamer Mahlzeiten, aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten (Gesellschaftsspiele, Basten, Puzzeln o. ä.). Die Zeit für sich selber kann man – statt ausschließlich mit Medienkonsum und Ablenkung – auch sinnvoll nutzen, indem man gezielt etwas für den eigenen Geist tut, zum Beispiel durch Entspannung, Meditation oder Musikhören beziehungsweise selbst Musizieren oder Singen.«, beschreibt Prof. Dr. Mühlig wie man Konflikte in der aktuellen Situation vermeiden kann. Natürlich haben diese Regeln auch Auswirkungen auf die Tagesstrukturen jedes Einzelnen.

Leben und Arbeiten in Zeiten der Krise

Da viele Menschen in den aktuellen Zeiten zu Einsamkeit neigen, empfiehlt Mühlig, die Kontakte weiterhin zu pflegen. Allerdings via Telefon und Internet.

Er erklärt: »Es ist für viele Menschen extrem schwer, über längere Zeit ihre sozialen Kontakte auszusetzen, nicht unter Leute gehen zu dürfen. Wir sind soziale Wesen und brauchen den Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Gerade der physische Kontakt, die körperliche Nähe zu unserem sozialen Umfeld (außerhalb des eigenen Haushalts) ist aber in der aktuellen Situation mit größter Konsequenz zu vermeiden.

Besonders für Alleinlebende ist dies möglicherweise eine sehr schwierige Situation, die sie für eine begrenzte Zeit bewältigen müssen. Dabei ist es wichtig für das emotionale Gleichgewicht, sich klar zu machen, dass der Ausnahmezustand zeitlich überschaubar bleibt.

Zum Glück können wir aber heute auf die sozialen Medien ausweichen. Im Gegensatz zu früheren Generationen sind fast alle Menschen in Deutschland und sogar weltweit über das Internet miteinander verbunden. Wir können uns in Echtzeit schreiben beziehungsweise chatten, telefonieren und uns per Videochat sehen und unterhalten, fast als säßen wir uns gegenüber.

Man sollte diese Möglichkeiten voll ausnutzen, Kontakt halten und den Austausch mit möglichst vielen Angehörigen, Freunden und Bekannten über Social Media suchen. In einer schwierigen Situation kann man sich über Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Man sollte auch daran denken, sich proaktiv bei alleinlebenden Menschen zu melden, um deren Vereinsamungserleben zu lindern.«

Leben und Arbeiten an einem Ort: Wie man für Abwechslung sorgt

Wem es dann gelungen ist, dem Gefühl von Einsamkeit zu entkommen, der sollte auch für Abwechslung in seinem Leben sorgen, denn auch wenn wir uns derzeit vor allem in den häuslichen 4 Wänden aufhalten, sollte dieser Alltag auch Abwechslung beinhalten. Dies rät auch der Experte Prof. Dr. Mühlig:

»Auch unter Isolationsbedingungen zu Hause kann man sich sinnvoll beschäftigen, zum Beispiel Dinge erledigen, die man zu Hause schon immer mal erledigen wollte, zum Beispiel Ordnung machen, die Wohnung „ausmisten“ bzw. neu gestalten, die Festplatte aufräumen, Fotos archivieren, Unterhaltungsspiele mit der Familie erleben oder mal wieder ein Buch lesen. Fernsehen, Computerspiele, Netflix-Streaming et cetera dienen der Ablenkung und sind selbstverständlich möglich. Falls sich die Isolation über mehrere Wochen hinziehen sollte, ist passive Unterhaltung oder Videospielen aber zu einseitig.

Wichtig für die emotionale Stabilität ist es, sich Aufgaben zu suchen, mit denen man in der Wartezeit produktiv bleiben kann. Man sollte bedenken, dass stundenlanges Streamen von Spielfilmen und Serien oder ähnliche hohe Datenmengenübertragungen zu Freizeitzwecken möglicherweise die Netze überlastet und den gesellschaftlich Datenaustausch für Home-Office-Tätigkeiten, die für das Funktionieren unserer Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar sind, stark beeinträchtigen können.«
Mit der Wiedergewinnung von eigener Verantwortung und klarer Tagesstrukturen erhalten wir auch unsere gewohnte Sicherheit und Orientierung zurück. Doch was heißt die Wiedererlangung von Gefühlen wie Sicherheit und Orientierung für unseren Alltag? Nun, wir hören auf, Hamsterkäufe zu machen, und gewöhnen uns langsam an die neue Situation.

Warum Hamsterkäufe entstehen

Auch die Frage, warum Hamsterkäufe entstehen, lässt sich beantworten. Die Sozialpsychologie beschäftigt sich mit der Frage. Prof. Immo Fritsche vom Institut für Psychologie der Universität Leipzig erläutert: »Neben den körperlichen gibt es auch psychische Grundbedürfnisse. Eines dieser Bedürfnisse ist jenes nach Kontrolle und Autonomie. Dies wird insbesondere in Krisensituationen wichtig, denn der Eindruck, die eigenen Lebensumstände selbst beeinflussen zu können, verhindert Hilflosigkeitsgefühle und erhält unsere Motivation, selbst zu handeln.

Wenn Menschen glauben, ausreichend mit grundlegenden Gütern des täglichen Bedarfs ausgerüstet zu sein, hilft ihnen dies, ihr persönliches Kontrollgefühl aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig stärkt es den Eindruck, in der Krise nicht auf andere angewiesen zu sein. Schließlich müsste man im persönlichen Quarantänefall andere Personen bitten, die eigenen Einkäufe zu erledigen. Solche Abhängigkeiten wollen Menschen in der Regel vermeiden, insbesondere gegenüber Personen, die nicht Teil eigener enger Gemeinschaften, zum Beispiel der eigenen Familie, sind.

Hier steckt aber auch eine mögliche Lösung des Problems: Abhängigkeiten sind für uns dann eher in Ordnung, wenn sie innerhalb eigener Gemeinschaften bestehen. Dann nennen wir diese Abhängigkeiten gegenseitige „Solidarität“. Es kann also helfen, wenn wir die anderen Menschen in unserem Umfeld als Teil unserer eigenen Gemeinschaft zu sehen lernen. Dann können wir die Abneigung gegenüber gegenseitiger Abhängigkeit ablegen.

Dann investieren wir unsere Zeit nicht in übertriebene und unsolidarische Eigenvorsorge, sondern in das Handeln für die Gemeinschaft. Und schließlich gehört das „Wir-Denken“ zu unserer artgeschichtlichen Grundausstattung und ist unser evolutionäres Erfolgsrezept.«

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